Bericht über die ICOMOS & OWHC Konferenz am 8.9. 2004 in Bergen
Um es gleich vorweg zu nehmen, diese Konferenz gehörte zu den ertragreichsten, die ich bisher besucht habe. Die Organisation war perfekt (Danke Siri und Siri), Bergen glänzte mit traumhaftem Wetter und es waren Legenden der Welterbeforschung mit guten Vorträgen anwesend.
Sehr spannend war der Vortrag von Dr. Jukka Jokiletho zum Thema »Authenticity and Function«. Er stellte ein Konzept zum Outstanding Universal Value vor, das dabei helfen soll zu bewerten, ob eine Kulturstätte in die Welterbeliste aufgenommen werden soll oder nicht. Angesichts der enorm großen Zahl von Interessenten, die für eine Aufnahme ihrer Stadt oder Stätte werben, ist es dringend notwendig Methoden zu entwickeln die bei der Beurteilung und Auswahl verwendet werden können (hier eine Übersicht der Kriterien zur Aufnahme in die Welterbeliste). Die Frage der Authentizität wird seit langem diskutiert (z.B.:Nara Document of Authenticity). Ein spannendes Beispiel habe ich kürzlich in Nordspanien gesehen: Die Höhlenmalereien in der Altamira-Höhle sind aufgrund zu vieler Besucher durch Algenbewuchs gefährdet worden. Seit kurzem steht nun ein 1:1 Nachbau der kompletten Höhle für die Besucher zur Verfügung. Die Originalhöhle bleibt nur Wissenschaftlern zugänglich. Ein sehr gutes Museum ergänzt die Kulturstätte. Zum Schutz der originalen Malereien ist dies sicher eine geeignete Maßnahme (vielleicht die einzig mögliche), als Besucher war es allerdings ein etwas eingeschränktes Erlebnis.
Ein zweiter Diskussionsschwerpunkt den ich sehr anregend fand wurde durch den Vortrag von Nils Marstein zum Thema »Buffer zone Issues« angestoßen. Am Beispiel einer Agglomeration, die aufgrund zahlreicher Bergbauaktivitäten entstand, und schützenswert ist, zeigte er auf, wie schwierig die Frage der Abgrenzung geeigneter Pufferzonen um das eigentlich in die Liste eingetragene Objekt oder Gebiet ist. Würde man z.B. einfach einen Zirkel um die Berbaustadt ziehen, in dessen Radius sich alle Stollen etc. befinden, schränkt man dadurch auch Bewohner einer sehr großen Fläche, die eventuell nichts mit Bergbau zu tun haben in Ihren (baulichen) Aktivitäten ein. Wählt man andererseits nur eine sehr kleines Gebiet um die Berbaustadt als Pufferzone, so hat man die funktional ursächlichen Kulturlandschaftselemente, nämlich die technischen Einrichtungen des Bergbaus in keiner Weise geschützt und hat somit auch keinen Einfluss auf deren Erhaltung (vgl. dazu mit ähnlicher Problematik). Ein weiterer kritischer Punkt liegt in der Tatsache, das Blickachsen häufig sehr weit in die umgebende Landschaft wirken, und somit auch durch Gebiete verlaufen, die häufig nicht als Pufferzone ausgewiesen sind.
Insgesamt hat sich der Eindruck bestätigt, dass sich die Probleme und Fragestellungen vieler Welterbestädte ähnlich sind, und deshalb großer Kommunikationsbedarf vorhanden ist. Die Welterbeliste und deren Verwaltung scheint an einem Punkt angelangt zu sein, wo vor allem die Methodik zur Auswahl und zur Implementierung und natürlich zum Management erarbeitet bzw. verfeinert werden muss.







